NOCH MEHR INDIVIDUELLES OBJEKT-DESIGN MIT NÄHMASCHINE, AUS STOFF UND TEXTIL | TEIL III
Zufälligerweise habe ich einige Nähmaschinen im Bestand (und erstaunlich häufig in Gebrauch), so dass es ein Leichtes für mich ist, Prototypen aus Stoff und Textil zu entwerfen und herzustellen! So entstehen immer wieder genähte Objekte für Freizeit, Sport, Funktionsanwendungen, Gags, Geschenke und für bisher nicht existierende Objekte oder oft für Verbesserungen und Optimierung bestehender Produkte. Darüber hinaus läßt sich aber auch Papier gut nähen… Hier im Teil III zeige ich ein paar weitere schöne Beispiele, bei denen Nadel und Garn eine Rolle spielen.
SCHNELLPACKSÄCKE FÜR DIE GLEITSCHIRMFLIEGEREI MIT INDIVIDUELLEN DETAILLÖSUNGEN
Wir kennen es alle von der Gleitschirmfliegerei: Man ist am Startplatz, die Flugbedingungen sind perfekt, die Warteschlange der Piloten ist lang, alle drängeln dich von hinten und du tüddelst an deinen Stammleinen und Tragegurten herum, weil du wieder mal Leinensalat aus dem Sack gezogen hast. Was liegt da näher, als solchen Helden einen Schnallpacksack zu entwickeln und zu entwerfen, in dem man den Flieger nach dem Einpacken sicher verstauen kann und beim nächsten mal alles schön sauber ausrollt?
Hier sind drei Prototypen, die sich in den Details und Verarbeitungsoptionen unterscheiden. Alle Protos haben eine Rückenfläche von 60x60cm als Achteck angelegt und die Seitenflächen haben eine Höhe von 50cm, gesäumt mit dem Tunnel für das Raffband. Da man sich so einen Packsack nur mal schnell über die Schulter wirft, habe ich nur einen Schultertragegurt konstruiert. Ein zweiter wäre hinderlich, da er eh nicht genutzt wird. Mit dem Raffband wird der Sack zugezogen, danach mit einem Kompressionsgurt verkleinert und sicher verschlossen. Beim ersten Proto ist der Tragegurt nach unten aus dem kräfteverteilenden Gurtband geleitet, bei späteren Protos nach oben.
FÜR SO EINEN KNOCHEN FINDET MAN KAUM EINE TASCHE
Generell sind die üblichen Lenker (neudeutsch 'Kite-Bar') beim Kitesurfen durchschnittlich 50-55 cm breit. Hier habe ich einen Exoten mit stattlichen 65 cm Breite! Das ist selten. Und deshalb verdient diese Kite-Bar auch eine eigene, individuell für die Breite hergestellte Tasche. Voilà:
Ihr seht, dass ich oft bei meinen Rafftaschen den Tunnel für das Raffband extra annähe. Zum einen sieht es chic und aufwändiger aus und zum anderen kann ich dazu vielfältigere Materialkombinationen anwenden. Hier ist der Taschenboden aus 210g-Tuch, der gelbe Mittelteil vom Sack aus gebrauchtem Spinnaker mit circa 60g und der Rafftunnel aus 70g-Tuch.
Bei diesem Prototyp habe ich den Spanngurt von Schnalle bis Schnalle komplett um den Schnellpacksack herumlaufen lassen und am Tuch vernäht. So wird die Last nicht auf das Tuch übertragen, sondern komplett vom Spanngurt aufgenommen. Ob das nötig ist, wird sich zeigen bei den anderen Entwicklungsschritten ohne umlaufenden Spanngurt.
ES WAR MAL EIN OLLER KITESURF-RUCKSACK UND IST NUN EINE INDIVIDUELLE SATTELTASCHE
Kürzlich bin ich mit dem mir von Torben geliehenen E-Bike unterwegs zur Verwandschaft gewesen, als denen dort die angehängte kleine Satteltasche auffiel, ein Serienprodukt. 'Ach wie nett, das ist aber eine kleine Satteltasche!' hiess es dort. Was liegt da näher, als mich umgehend an die Nähmaschinen zu setzen und selbst eine für die Verwandschaft herzustellen? Hierzu diente ein oller Kitesurfrucksack von Lennie Kunsh als Materialspender. Nähmaschinen im Plural – es ist außerordentlich nützlich, jede Maschine individuell auf ein Garn einzustellen. Hier nutzte ich die Maschine mit Et. 60 Serafil (80er Nadel) und die Maschine mit Et. 30 Strongfil-Garn, 100er Nadel.
Mit einer Dreifachtransport-Nähmaschine komme ich gut durch die sechs Lagen Gurtband plus Dacron, so dass diese schlichten Schlüsselanhänger einfach zu nähen sind.
Bei diesem Entwicklungsschritt habe ich die Aufhängung des Spanngurtes verändert, die nun kurz vor dem Tunnel für die Raffschnur beginnt und trotzdem genug Kontaktfläche hat, um die Kräfte auf das Tuch vom Packsack zu verteilen. Vermutlich wird das reichen, die Praxis wird es zeigen.
Bei allen Entwicklungsschritten diente ein Gleitschirm als Materialquelle für 35g-Ripstoptuch. Daher die schöne Vielfalt an Tuchpanels aus dem Gleitschirm und ein paar übernommene Details wie zum Beispiel Leinenaufhängungen. Fremd bzw. neu hinzugekommen ist die Polsterung für den Trageriemen und das rote Gurtband. Mit dem Gurtband und geschickter Nahtführung ist die Last vom Tragegurt und des Handgriffs auf die Gurtbänder verteilt, bevor sie reduziert und großflächig auf das Tuch gelenkt wird. Der Rafftunnel besteht aus 70g-Polyester-Ripstoptuch und ist für das Raffband am Ausgang mit dem roten Gurtband verstärkt. Auf Ösen habe ich bewusst verzichtet. Das schwarze Raffband wird mit einem Tanka gestoppt.
KUSCHELIGER BEZUG MIT INNENFUTTER UND RAFFGUMMI
Bei einem Riss im Schaum eines Fahrradsattels kann man sich einerseits die Mühe machen, den mit Aquasure zu füllen und zu reparieren, oder man setzt sich mal eben an die Nähmaschine und näht einen kuscheligen Bezug aus Fell. Dieser Bezug hat ein Innenfutter aus Spinnaker-Ripstop und wird mit einem Raffgummi in einem Tunnel um den Sattel herum fixiert. Die Gurtschlaufen sind zur Option, den Bezug individuell zu justieren.
IDEENREICHES COVER FÜR EIN OLLES FOIL VON NAISH UND FOILBOARDBAG
Kprzlich hat mir Lennart sein altes Kitesurffoil von Naish und ein Foilboard von Duotone geschenkt und mich damit nur bedingt glücklich gemacht, weil ich Kitefoiling schnell überdrüssig bin. Mache ich manchmal bei sehr wenig Wind, so dass man allein auf dem Wasser ist, durch die glatte Seeoberfläche bis auf den Grund sehen kann, die Vögel in den Bäumen am Ufer und die Stimmen der Segler weit auf der Förde hört… – Aber dann zieht es mich wieder bei viel Wind aufs Twintip. Für das Foil un ddas Deck habe ich mir jeweils ein Cover genäht und ein paar pfiffige Ideen für eine praktische Handhabung umgesetzt.
Das Gimmick an diesem Foilcover ist der Spannzug im schwarzen Rafftunnel rund um das Cover. So stellt man das Foil auf das offenliegende Cover und zieht an der Spannschnur den Tunnelsaum um die Außenkanten zusammen. Die Spannschnur wird mit dem Tanka gehalten. Dann gibt es zwei Gummizüge – der eine rafft die Kappe für die Foilaufnahme (die da scharfkantig!) im Tunnel zusammen, sobald man sie über die Aufnahme gestülpt hat. Dann gibt es noch ein Gummi zu einem Häubchen, mit dem man die vertikale Finne bzw. das Leitwerk vom Heckflügel schützt. Die Gummizüge halten Aufnahmeschutz und Finnenschutz sofort ab Überstülpung fest. Es sind insgesamt nur drei Handgriffe, mit denen das Foil verpackt ist!
ESSENTIELL – OHNE SCHRAUBEN IST DER TAG IM EIMER
Mit Foil zum Strand heisst immer erstmal Montage am Strand. Das Foil ist an einem Mast angeschraubt und der an der Unterseite vom Board. Also braucht man Schrauben. Die zu verlieren bedeutet – keine Montage und keine Session auf dem Wasser. Sascha verwahrt seine Schrauben in einem ollen Plastiktütchen. Das wird nicht lange gutgehen… Also habe ich ihm ein Schraubentäschchen aus doppeltem Tuch mit Verstärkung und Aufhänger genäht. Ein Tunnel mit Kordel und Tanka verschließt das Täschchen sicher.
KLEINE TASCHEN FÜR ALLE FÄLLE
Wannimmer es Krimskrams und Kleinkram gibt, sind die passenden Taschen selten zur Hand. Deshalb einfach einen Kite zerlegen und aus den Tuchschipseln individuelle Mini-Taschen in jeder benötigten
Größe nähen. Da kommen schnell viele Taschen zusammen und es werden immer mehr…
FÜR JEDE KITEPUMPE DIE PASSENDE TASCHE
Oft wird die Pumpe zusammen mit dem Kite im Rucksack verstaut. Dann ist es hilfreich, wenn die Pumpe ihre eigene Tasche hat, um den Kite zu schützen. Oder man hat die Pumpe getrennt vom Kite im Auto. Auch dann ist eine eigene Tasche für die Pumpe sinnvoll, damit der Sand von der Pumpe nicht in der Karre verteilt wird. Hier bekommt jede Größe ihre eigene Tasche.
PASSENDE POLSTERBEZÜGE FÜR INDIVIDUELLE POLSTER
Hier fragten mich Freunde, ihre individuell dem eigenen Ausbau angepassten Polster mit schönen Bezügen aus schwerem Leinen auszustatten. Also habe ich zuerst die Polster mit Innenbezug (siehe roter Reissverschluss) und dann mit auswechselbaren Bezügen passend zur Inneneinrichtung ausgestattet.
FÜR JEDEN ANLASS DEN PASSENDEN BÜDDEL
Kürzlich bestand die Frage, ob es für eine Umziehmatte für Neoprenanzüge einen Aufbewahrungssack gebe. Soweit so einer nicht aufzufinden oder auch nicht erhältlich ist, gehe ich den individuellen Weg und nähe hier einen passenden Büddel aus wiederverwertetem Spinnakertuch mit Tunnel für Raffschnur mit Tanka.
Mein Aufbewahrungssack (gelb-schwarz, links) für den Beutel für Neoprenanzüge (schwarz, rechts).
PER RAD ODER ZU FUSS ZUM SPOT
Kürzlich fragte mich Gernot, ob ich noch ein paar Kite-Rucksäcke habe, auf denen man auch sein Board befestigen könnte. Da hat die Industrie bisher nicht viel Brauchbares zu bieten gehabt. Aufgrund von mäßig durchdachter Konstruktionen wabbelt das Board immer irgendwie oben auf einem unförmigen Rucksack. Also habe ich mich an einen eigenen Kite-/Board-Carrierrucksack gemacht, der beides stramm miteinander verbindet. Hier ist der erste Prototyp.
EIGENSTÄNDIGES CARRIERSYSTEM
Das Hauptaugenmerk liegt auf einer eigenständigen Konstruktion aus Tragesystem und Boardaufnahme, zu der ein Packsack zwischen Board und Rücken als Lastdruckausgleichssystem und als Ausrichtung für das Board dient. Das Board hängt in einem stabilen Gurtband-/Schnallensystem, dass den Packsack umfließt und ihn ins stabilisierende System integriert.
LEICHTBAUWEISE UND DETAILLÖSUNGEN
Hier sehen wir die Verwendung von leichtem Rippstop-Flugtuch für den Packsack, festerem Honeycomb-210g-Tuch für den Boden, gepolsterten Tragegurten, Gurtbändern für das Board-Tragesystem, partielle Verstärkungen aus Dacron bei den Schultergurten, einem Handgriff und einem Raffband-Tunnelsystem aus unbeschichtetem 70g-Honeycombgewebe.
OVALE FORM FÜR DEN TRAGEKOMFORT
Der Packsack ist oval ausgelegt, um eine flächige Druckverteilung auf beiden Seiten der Wirbelsäule zu gewährleisten.
VERTIKALE AUSRICHTUNG VOM BOARD
Das Tragesystem und die ovale Form des Packsacks ermöglichen eine solide Fixierung vom Board auf breiter Fläche und eine stabile vertikale Ausrichtung beim Tragen über lange Zeit.
KLEIN, LEICHT, KOMPAKT
Dieser Prototyp und alle weiteren werden in Leichtbauweise mit geringem Packvolumen erstellt. Gernot will diesen Kite-/Board-Carrier mit nach Thailand nehmen, um dort per Rad an den Spot zu kommen. Also Leichtbau für geringes Reisegepäck und für unterwegs. Außerdem kann dieser Kite-/Board-Carrier kleinverpackt mit aufs Wasser genommen werden, um nach Touren oder Langschlägen für den Rückweg über Land zur Hand zu sein.
OFT SIND DESIGN-PROJEKTE BEI MIR EINE KOMBINATION AUS UNTERSCHIEDLICHEN MATERIALIEN UND TECHNIKEN. DAZU GEHÖRT PAPIER UND DIGITALES GENAUSO WIE STOFF UND TEXTIL. WENN ES EINE GUTE IDEE GIBT ODER EINE SOLCHE GEBRAUCHT WIRD, BIN ICH SELBSTVERSTÄNDLICH AUCH MIT NÄHMASCHINE DABEI
